Verlag berühmter Persönlichkeiten

Verlag berühmter Wissenschaftler und Mediziner

Der österreichische Schriftsteller und Verwaltungsreformer Joseph von Sonnenfels (1732 – 1817), Orientalist und Diplomat Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall (1774 – 1856), Agrarwissenschaftler Friedrich Haberlandt (1826 – 1878), Physiker Johann Puluj (1845 – 1918), Archäologe Emanuel Loewy (1857 – 1938) oder der tschechische Politiker und Historiker Konstantin Jirecek (1854 – 1918), erster Vorstand des berühmten Instituts für Osteuropäische Geschichte der Universität Wien, waren nur einige der berühmten Autoren des Gerold Verlags. Das Standardwerk von Theodor Billroth (1929 – 1894), einem der bedeutendsten Chirurgen des 19. Jahrhunderts, „Die Krankenpflege im Hause und im Hospitale. Ein Handbuch für Familien und Krankenpflegerinnen“ wurde in neun Auflagen bis 1919 verlegt. Auch ein Werk des deutschen Universalgenies Alexander von Humboldt (1769 – 1859) erschien im Gerold Verlag.

Der „Fall Grillparzer“

Moritz GeroldObwohl sich der Gerold Verlag einen Namen im Bereich der Natur- und Geisteswissenschaften gemacht hat, kamen auch die „schönen Künste“ nicht zu kurz. Autoren wie Friedrich Halm, Michael Enk von der Burg und Friedrich Hebbel, um nur wenige der zahlreichen Namen zu nennen, publizierten für den Verlag. Einer der berühmtesten österreichischen Autoren wäre gerne im Gerold Verlag erschienen, konnte aber nicht: Franz Grillparzer. Grillparzer veröffentlichte seine Werke bei Johann Baptist Wallishauser in Wien, „aus einem vaterländischen Gefühle“, und fühlte sich bald „sehr durch die missliebige Wiener Firma beschränkt und gehemmt“. Anlässlich der 100-Jahr-Feier des Gerold Verlags 1875, schrieb Wenzel Tomaschek in einem Gedicht:

„(...) Dann seh’ eine Gruppe ich, lyrisches Gelichter!
Aber auch große, bedeutende Dichter!
Ich seh’ den Halm! Den Hebbel! – und seh’ den Feuchtersleben
Die vierzigste Auflag’ seiner Diätetik erhebend.
Und auch der Grillparzer möchte sich ihnen vereinen
Er wenigstens w o l l t e bei Gerold erscheinen!(...)“

Eine Übernahme des Autors war nicht möglich, jedoch veröffentlichte der Gerold Verlag Grillparzers Werke als französische oder italienische Übersetzungen. Nach Grillparzers Tod im Jänner 1872 kaufte Moritz von Gerold, Carl Gerolds Sohn und mittlerweile neuer Verlagsbesitzer, den Nachlass des großen Autors.

Der Gerold-Salon

Eine wesentliche Rolle bei der Verbundenheit des Verlags mit Grillparzer sowie bei der literarischen Programmgestaltung spielte Moritz von Gerolds Frau, Rosa. Sie rief einen literarischen Salon ins Leben, der zu den bedeutendsten Zentren des kulturellen Lebens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörte. Auf dem Sommersitz der Gerolds, dem Lindenhof in Neuwaldegg, versammelten sich Persönlichkeiten wie Tomaschek, der Philosoph Franz Brenano, Paul Heyse, Marie von Ebner-Eschenbach und der amerikanische Schriftsteller Bayard Taylor sowie die Maler Rudolf von Alt oder Anselm Feuerbach.