Das dritte Jahrhundert

Lehr- und Schulbücher

Mit dem Tod Moritz von Gerolds 1884 übernahm sein jüngerer Bruder Friedrich die Leitung des Verlags. Friedrich von Gerold war auch über ein Vierteljahrhundert Mitglied des Wiener Gemeinderats und „galt als Hauptförderer der Schule und als ein Vorkämpfer für deren Reform.“ Seit Mitte des 19. Jahrhunderts widmete sich der Verlag auch der Herstellung von Lehr- und Schulbüchern für Gymnasien, Realschulen, Handelsschulen und das K.K. polytechnische Institut. Besonders die Lehrbücher für Mathematik ernteten große Anerkennung.

Weltkrieg und Wirtschaftskrise

Friedrich von Gerold überlebte seinen Bruder nur um drei Jahre. Sein Sohn Friedrich Jr. führte den Verlag weiter zusammen mit dem Buchhändler Hermann Manz. Mit seinem Tod 1895 endete nach 120 Jahren die Verlagsleitung der Familie Gerold. Ab 1896 führte Hermann Manz’s Witwe Anna die Verlagsgeschäfte weiter, bis zur Übernahme der Brüder Robert und Hugo Hitschmann 1905, die den Betrieb in ein neues Gebäude am Hammerlingplatz übersiedelten und mit den neuesten Druckmaschinen ausstatteten. Bis zu Kriegsbeginn 1914 gehörten landwirtschaftliche Publikationen und Lehrbücher für höhere Schulen zu den meistverkauften Werken des Verlages.  Während des Ersten Weltkriegs und in den Gründungsjahren der jungen Republik Österreichs entstanden auch zahlreiche Werke, die den Menschen jener Zeit halfen, sich an die neuen und schwierigen Lebensumstände anzupassen. Die Umbrüche in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wie das Ende der Monarchie, und damit dem Wegfall eines großen Absatzmarkts, und die Wirtschaftskrise der 1930er Jahre stellten eine große Herausforderung für den Verlag dar. Dennoch entstanden auch in diesen Jahren viele interessante Werke, wie die „Gesammelten Aufsätze 1926-1936“ des deutschen Physikers und Philosophen Moritz Schlick, Begründer des Wiener Kreises im Logischen Empirismus.

Das dritte Jahrhundert

Wissenschaftliche Werke bildeten auch in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg einen Großteil des Verlagsprogramms. Ab den fünfziger Jahren fanden sich auch kritische und provokante Werke wie „Die Methamorfosen des Eros“ von Hedwig Gollob oder „Was ist normal im Schatten der Atombombe“ von Wolf Weilgart. 1931 übernahm Rudolf Fürst den Verlag, den er bis zu seinem Tod 1975 führte. Im selben Jahr feierte das Unternehmen auch sein 200-jähriges Jubiläum. Seine Frau Margarethe Fürst leitete den Verlag bis 1980 weiter. Das umfangreiche Verlagsarchiv mit zahlreichen Dokumenten über die Familie Gerold befindet sich heute in der Wiener Stadt- und Landesbibliothek.

Auch im dritten Jahrhundert seines Bestehens bemüht sich der Carl Gerold’s Sohn Verlag, dem großen Erbe seiner Geschichte mit einer Vielzahl an Werken aus Politik, Geschichte, Technik und über das neue Europa gerecht zu werden.

„Mancher schweren Krise haben wir Erwähnung getan, doch alles hat das alte Haus, von unbrechbarer Lebenskraft, glücklich überwunden. Immer wieder ist es zu neuem Glanz emporgestiegen.“
(aus Carl Junker, „Das Haus Gerold in Wien 1775 – 1925“, Wien 1925)